Zisterzienseroblaten/in - eine Lebensform
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Übersicht
- Zisterzienseroblate/in eine Lebensform
- Zisterzienseroblaten und Laienzisterzienser
„ Gott, du mein Gott, dich suche ich“
(Psalm 63)
Zisterzienseroblaten
ZISTERZIENSISCHES LEBEN IN DER WELT
Gabriele Franziska Heitfeld-Panther Zisterzienser-Säkularoblatin (Kloster Langwaden) März 2007
Über nunmehr viele Jahrhunderte haben sich Christen vom Geiste des heiligen Benedikt, dessen Regel sowohl dem Leben und der Spiritualität der benediktinischen (Benedikt von Nursia 480 – ca. 557)
alsauch dem der zisterziensischen Orden (als benediktinische Reformorden; Bernhard von Clairveaux
1090/91 – 1153) zugrunde liegt, begeistern lassen. Jeder weiß, dass es in beiden Orden Mönche und Nonnen gibt, weniger bekannt ist jedoch, dass sich darüber hinaus zahlreiche Männer und Frauen
- Ledige und Verheiratete, Laien und Priester – als Oblaten in der Nachfolge Christi an der Regel des
heiligen Benedikt (im weiteren Text: RB) orientieren.
Oblaten leben als Mitglieder der großen benediktinisch-zisterziensischen Gemeinschaft außerhalb des Klosters, mitten in derWelt und haben sich durch ein öffentlich kirchliches Versprechen an ein benediktinisches bzw. zisterziensisches Kloster gebunden. Sie wollen an ihrem jeweiligen Ort – in der Familie und im Beruf – und in ihrer jeweiligen Lebenssituation „wahrhaft Gott suchen“ (RB 58,7) und „unter der Führung des Evangeliums die Wege Gottes gehen“ (Prolog 21).
In einem Zeitalter zunehmender Orientierungslosigkeit und fehlender verbindlicher Werte spüren immer mehr Menschen, dass die Weisheit, die menschliche und geistliche Erfahrung und eine Jahrtausende alte Tradition des Mönchtums auch für ihr Leben in der Welt eine Antwort auf die Sehn-
sucht ihres Herzens sein kann. Gemeinsam ist Mönchen, Nonnen und Oblaten, dass sie aus dieser
Sehnsucht heraus Gott antworten. Während Mönche und Nonnen mit der Entscheidung für ein
klösterliches Leben antworten, gehen Oblaten ihrer Sehnsucht entgegen, indem sie dem Anruf Gottes in ihrer jeweiligen Lebenssituation in der Welt antworten.
Dabei sind die Wege der Oblaten in die benediktinische bzw. zisterziensische Spiritualität und zur Bindung an ein Kloster so verschieden wie die der Mönche und Nonnen zum klösterlichen Leben.
Die Regel des heiligen Benedikt
Die Regel des heiligen Benedikt spricht auch immer mehr Menschen „in der Welt“ an und wird für
sie zu einer „Anleitung zu einem christlichen Leben mitten in der Welt“. Sie kann dem Menschen
Halt und eine Mitte in Gott geben. In einer Zeit, in der zunehmend Familien auseinanderbrechen und
viele alte und alleinstehende Menschen vereinsamen, ist es wichtig, solche Quellen zu finden, die aus
der Weisheit der Vergangenheit schöpfen, die aber gültig bleiben in der geschäftigen, modernen, weit-
gehend zerrissenen Welt von heute. Ein solche Weisheitsquelle ist die Regel des heiligen Benedikt.
Ihre geistliche Lehre ist weitgehend identisch mit der altkirchlichen Spiritualität überhaupt ( Georg
Holzherr: Die Benediktsregel. Eine Anleitung zu christlichem Leben. Düsseldorf /Zürich 2000, S. 9f).
Das II. Vatikanum hat nicht nur Ordensleute, sondern Christen überhaupt auf diese alten Quellen hin-
gewiesen, aus denen Benedikt schöpft und empfiehlt allen Katholiken, sich mehr mit diesen geist-
lichen Reichtümern zu beschäftigen (Dekret über den Ökumenismus, 15).
Gegen die Ängste und Unzuverlässigkeiten seiner Zeit glaubte auch Benedikt an das Gute im Menschen und daran, dass es möglich ist, dass Menschen in Vertrauen, Güte und brüderlicher Liebe zusammen leben (Anselm Grün: Benedikt von Nursia. Münsterschwarzach 1979). Eine alte Regel
hat ganz aktuelle Bedeutung für Kloster und Welt (vgl. auch Anselm Grün: Menschen führen –
Leben wecken. Münsterschwarzach 1999 u.a.), weil sie etwas enthält, was nicht erst noch erprobt werden muss.
Die benediktinische Regel verweist aber in allem über sich selbst hinaus auf Christus. Und darum
finden damals wie heute Männer und Frauen jeden Alters - ihrem Bedürfnis und ihrer Einsicht
auf der jeweiligen Wegstrecke entsprechend - in ihr Richtschnur und Vertiefung, sofern sie nur
Gott aufrichtig suchen (Esther de Waal: Gottsuchen im Alltag. Der Weg des heiligen Benedikt.
Münsterschwarzach 1992, S.20).
Mit einer großen verheißungsvollen, ermutigenden Schlussfolgerung, die in keiner anderen Quelle vor ihm steht, sondern von ihm selbst stammt (Ambrose Tinsley: Im Hause Benedikts. Der Heilige und seine Regel. Beuron 1990, S. 150) lädt Benedikt die Menschen ein zu lernen, wie ihr Herz weit werden kann und wie sie „in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes“ gehen können.
„Noch ist Zeit, noch sind wir in diesem Leib,
noch lässt das Licht des Lebens uns Zeit,
all das zu erfüllen.
Jetzt müssen wir laufen
und tun, was uns für die Ewigkeit nützt.
Wer aber im klösterlichen Leben
und im Glauben fortschreitet,
dem wird das Herz weit,
und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe
den Weg der Gebote Gottes.“
(RB Prolog 43, 44, 49)
Diese Einladung kann für jedes christliche Leben gelten.
Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden (RB 43,3)
Grundlage der Suche nach Gott, des „Mit-Gott-Auf-Dem-Wege-Seins“ ist für Benedikt das Gebet und die Teilnahme am liturgischen Leben. Auch für den Oblaten ist diese Begegnung mit dem lebendigen Gott in Wort und Sakrament das Wichtigste: „Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen“
(RB 43.3). Im Hören auf Gottes Wort, in Stille und im persönlichen Gebet, durch die Mitfeier
der Liturgie, insbesondere der Eucharistie, und im Stundengebet der Kirche, liegt für Benedikt die Quelle und Kraft für das alltägliche Leben. Hier erfährt der benediktinisch-zisterziensisch lebende Mensch Stärkung und Ausrichtung für sein Leben mit Gott, im Hinblick auf sich selbst und seine Begegnung mit dem Nächsten.
Das „Gott-Dienen“ heißt für Benedikt aber auch, das Kreuz Christi in die Mitte des Lebens zu setzen, und „unter der Führung des Evangeliums“ Christus nachzufolgen, auch im Schmerz; das bedeutet, Anfeindungen, Nachteile, Verlust und Tod und Widrigkeiten annehmen zu wollen.
Benedikt ruft uns auf, „häufig zu beten“ (RB 4,56). In Einklang mit der Regel werden Oblaten ihren Glauben – neben den Sakramenten - aus den Quellen nähren, die hier genannt werden: aus dem Psalmengebet und der „lectio divina“ und dem inneren Gebet. Soweit es ihre alltägliche Situation erlaubt, sollte das Stundengebet einen festen Platz im Gebetsleben der Oblaten einnehmen . Dieses Stundengebet, das der gesamten Kirche aufgetragen ist und zu dem alle Gläubigen eingeladen sind
(Einleitung zum Stundenbuch, Bd.1, S.13-46) sollte jeder Oblate wenigsten zum Teil mitbeten. Mit seiner Teilnahme am Stundengebet bekräftigt der Oblate seine Verbindung mit Christus zum Vater, mit seinem Kloster, mit der ganzen Kirche und mit allen Menschen. Durch dieses Gotteslob, besonders am Morgen (Laudes) und am Abend (Vesper / Komplet) wird der gesamte Ablauf des Tages Gott geweiht. Den Oblaten unterstützt dieses regelmäßige Gebet als bewusste Hinwendung zu Gott, aus dem Alltäglichen heraus, im Wachsen der Liebe zu Christus und hilft ihm, sich im Alltag an Gott auszurichten. Es weitet das Herz, Gott auf seine Liebe antworten zu dürfen, durch Dank und Lobpreis und Hören des Wortes.
Um den Geist zu formen, sollte immer wieder einige Zeit der geistlichen Lesung (lectio divina)
gewidmet werden (RB 4,55). Darunter versteht man ein gewissenhaftes, intensives, „wiederkäuendes“
Lesen (ruminatio) der heiligen Schrift oder anderer Bücher, von Autoren die glaubwürdig die Lehren der Kirche widerspiegeln. Dabei geht es nicht um ein umfangreiches Textstudium, sondern vielmehr darum, in Stille und mit dem Herzen bei dem Text zu verweilen und vielleicht aus dieser Stille heraus hinein zu wachsen in das persönliche Gebet, das unseren ganzen Alltag begleiten kann.
Das „Gott-Dienen“ im benendiktinischen Sinne bedeutet auch, zu versuchen, die täglichen Aufgaben, an dem jeweiligen Ort, wo wir leben, christlich zu bewältigen. Die Freude an Christus und daran, ihm zu dienen , setzt sich fort in allem Begegnungen und in allem Tun im Alltag: Die
Ehrfurcht vor Gott soll nicht nur Ausdruck finden in der liebevollen Begegnung mit dem Mitmenschen, dem geduldigen Ertragen der gegenseitigen Schwächen und der Rücksichtnahme, sondern auch im ehrfürchtigen Umgang mit allen Dingen der Schöpfung und der Welt: „Alles soll wie heiliges Altargerät betrachtet“ (RB 31,10) und mit Ehrfurcht, Liebe und Güte betrachtet werden“.
Benediktische / Zisterziensische Spiritualität: Die Ganzheit des Evangeliums leben - Unter der Führung des Evangeliums
Die Regel des Heiligen Benedikt ist gebunden an das Evangelium und zeigt, wie es gelebt werden kann. Sie greift vieles auf, was in unserem Glauben so etwas wie eine Ahnung, ein Geheimnis und eine Sehnsucht betrifft und versucht, aus den Weisheiten der alten mönchischen Traditionen heraus
konkrete Antworten zu geben, die sich an Christus selbst orientieren: Christus selbst, seine Liebe,
sein Leid und sein Kreuz werden in die Mitte des Lebens gesetzt. Christus selbst ist hier Vorbild und Meister (Prolog 45). In der Hinwendung zu Gott in der Liebe Christi, die uns Glück und Freude bringt, geht es auch um den lebenslangen Prozesses der Selbsterkenntnis, meiner Situation, meines
Lebensbuches, meines So-Seins und der Annahme des Auf und Ab im Leben, von Schmerz, Enttäuschung, Verlust und Tod.
Der Oblate ist – wie Mönche und Nonnen – gehalten, die jeweils täglich vorgesehenen Abschnitte
der benediktinischen Regel zu lesen, um immer mehr mit der in ihr enthaltenen Anleitung vertraut
zu werden.
Zur gelebten Ganzheit des Evangeliums gehören für Benedikt auch die Stabilitas (Beständigkeit),
Conversatio morum (Umkehr), die Oboedientia (Gehorsam), die Armut und Ehrfurcht.
Stabilitas (Beständigkeit)
Mit Beständigkeit ist gemeint, dass ich mich festmache, festlege, mich hingebe, um einen Weg
mit Christus zu gehen, der zum Fundament meines Lebens wird. Es bedeutet, in Bereitschaft und Geduld auch dann auszuharren im Glauben an IHN, wenn meine Treue durch Anfeindungen und Anstrengungen unter Beweis gestellt wird. Christus ist die „Erdung“, wie man zu sagen pflegt, die mir Kraft und Heimat ist inmitten der Wirren und scheinbar grenzenlosen Angebote und Verführungen unserer heutigen Zeit und in der Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich „bleibe“, weil ich einen Mittelpunkt gefunden habe und versuche, immer mehr ganz bei mir (habitare secum) und bei Gott zu wohnen. Das ist eine Antwort meines Herzens, die an jedem Ort, und in jeder Lebenssituation auf den Anruf Gottes gegeben werden kann und zu der ich ein Leben lang immer wieder neu herausgefordert sein werde.
Conversatio morum (Umkehr)
Im Geiste des Evangeliums verpflichtet sich der benediktinisch-zisterziensisch lebende Mensch zu einer lebenslangen Umkehr zu Christus. Vielleicht könnte man sagen, dies ist so etwas wie das ständig wiederholte Taufversprechen: ich glaube und ich will dem Bösen widersagen. Ausschlag-
gebend ist der Wille zur ständigen Achtsamkeit und Besinnung, in der Hoffnung auf ein immer
stärker werdendes Durchdrungenwerden vom Geiste Jesu oder, mit anderen Worten, darum, immer
mehr „Christus anzuziehen“. Dabei geht es nicht um ein Erstarren oder Fertigsein, sondern vielmehr um das Einüben in die Fähigkeit, sich immer neu und frei auf das einzustellen, was das Leben mit sich bringt. Diese Form von Umkehr ermöglicht dem Menschen, den Augenblick
intensiver zu erleben und leichter anzunehmen und lässt ihn wachsen und reifen und lebendig bleiben in dem Sinne, das er übt, bereit zu werden, mit dem, was ihm begegnet oder widerfährt, die immer
neue Zukunft anzunehmen und als wertvoll zu erkennen, seine Fehler anzuschauen und seinen Weg,
wenn nötig und möglich, zu korrigieren.
Demut
Ein grundlegendes Element der benediktinisch-zisterziensischen Spiritualität ist die Demut. Das längste Kapitel seiner Regel widmet Benedikt dieser geistlichen Haltung. Mit dem Bild der Jakobsleiter mit zwölf Stufen, die es zu ersteigen gilt, zeigt Benedikt auf, wie der Wandlungs-
prozess “vom alten zum neuen Menschen“ (Eph 4,22; Kol 3,9) aussehen kann. Grundlegend hierfür ist die Bereitschaft der Hinwendung zu Gott, die „Gottesfurcht“, die Bereitschaft, Gottes Anruf zu folgen. Der Mensch versucht mehr und mehr, von seinem Egoismus und Eigenwillen abzusehen,seine Schwächen, seine Grenzen und seine Schuld anzublicken und anzunehmen, auch Schmerz und „Niedriges und Geringes“ zu ertragen und das Kreuz seines ganz eigenen Lebens auf sich zu nehmen und orientiert sich dabei an seinem Vorbild, dem gekreuzigten, erniedrigten Herrn, Jesus Christus. Der so beschrittene Weg der Demut wird den Menschen seiner Wahrheit und der Wahrheit Gottes immer näher bringen und ihn im liebevollen Umgang mit sich selbst und miteinander und in der Gottesliebe wachsen lassen. Das bedeutet einerseits, der Mensch muss lernen, das sein zu wollen, was er ist, denn Gott hat ihn ja so gewollt (John Chapman: Geistliche
Briefe. Einsiedeln 1945, S. 56), letztendlich geht es aber darum, den Willen Gottes immer besser zu erkennen , ihm zu entsprechen, ihn lieben zu lernen (Bernhard von Clairveaux: Der Weg der Liebe.
Leipzig 1990, S. 269). Dazu gehört es aber auch, zu erkennen, dass das Ziel nicht darin bestehen darf, ein bestimmtes Verhalten vor Gott zu „leisten“, sondern, die Wahrheit zu erfahren, die im lebenslangen Auf und Ab, im Sündig-Sein und in einem Beständig-Neu-Werden liegt und im Vertrauen darauf, dass wir, egal wo wir stehen und wie wir sind, unser Leben in Gottes Händen geborgen wissen dürfen und in seiner Liebe lieben dürfen.
Oboedientia (Gehorsam)
Für Mönche bzw. Nonnen kennen wir die Gehorsamspflicht den Oberen gegenüber, die wiederum in der Sorgepflicht für die ihnen anvertrauten Mitbrüder stehen. So etwas kann es für den Oblaten nicht geben, jedoch kann der Oblate an seinem Ort, in seiner Lebenssituation, Gehorsam üben, indem er, wie seine Schwestern und Brüder im klösterlichen Leben, gehorsam wird im Hören und in der Ausrichtung seines alltäglichen Lebens in der Welt auf das Wort Gottes.
Diese Geisteshaltung erwächst für Benedikt aus dem Gehorsam Jesu gegenüber seinem Vater, bis zum Tod am Kreuz. So spricht Benedikt besonders diejenige Form von Gehorsam an, die uns Christus ähnlich macht, wenn wir bereit werden, auch Leiden, Krankheit und Tod anzunehmen.
Gehorsam kann sich für den Oblaten auch in der Haltung seiner Kirche gegenüber ausdrücken und in der Art und Weise wie er die Sendung der Kirche in seine Umgebung trägt.
Armut
Nach dem Vorbild Christi, der für uns alle arm wurde, verzichten Mönche und Nonnen auf eigenen
Besitz. Oblaten können in diesem Geiste leben, indem sie bescheiden sind, was ihr alltägliches Leben
anbetrifft und die ihnen zur Verfügung stehenden Güter teilen und einsetzen zum Wohl der Gemein-
schaft und der Kirche, was unserer heutigen weitgehend profitorientierten Gesellschaft als Beispiel christlichen Lebens von Bedeutung sein kann. Es gilt darum, mit den von Gott geschenkten Talenten
und den erworbenen Gütern in der Welt verantwortungsvoll umzugehen und den Verpflichtungen im Alltag dieser Welt nach christlichen Grundsätzen nachzukommen.
Der Oblate , der auf diese Weise Gott in der Welt sucht, findet im benediktinisch-zisterziensischen
Lebensideal einen geistigen Mittelpunkt, der ihm Halt, Richtung und Ziel gibt. Sein Leben ist verankert in Gott und empfängt aus ihm Sinn, Inhalt und Erfüllung. Aus dieser Haltung heraus gestaltet der Zisterzienseroblate seinen Alltag.
Der Oblate und sein Kloster
Wie der einzelne Zisterziensermönch oder die Zisterziensernonne sich an eine ganz bestimmte Abtei (oder ein Priorat) bindet, so tritt auch der einzelne Oblate durch seine „Oblation“ in eine feste Beziehung zu einem bestimmten Kloster. Dieses Kloster wird zu seiner religiösen Heimat, hier findet er Hilfe und Bereicherung für sein geistliches Leben und sein Wirken in der Welt.
Der Oblate ist durch regelmäßige Treffen für Zisterzienseroblaten (und Interessierte), Einkehrtage, geistliche Begleitung, gemeinsames Feiern der Feste, die Mitfeier der Eucharistie und die Teilnahme am Chorgebet mit dem Kloster verbunden: „Nichts lässt tiefer in den Geist des Ordens eindringen als das Mitleben seiner Liturgie.“ (A.M. Goichon: Beschauliches Leben inmitten der Welt. Einsiedeln 1953, S. 143). Klostergemeinschaft und Oblaten fühlen sich gegenseitig durch Gebet, Opfer und das bewusst religiöse Leben verbunden, getragen und verpflichtet.
Oblaten werden sich ideel und nach außen hin dem Kloster verbunden fühlen, und dessen Interessen nach Kräften vertreten.
Der Oblate / Die Oblatin
Der Name „oblate“ stammt vom lateinischen „oblatus“ und bedeutet der Hingegebene, Aufgeopferte, Dargebrachte. Er beschreibt in sich bereits das grundlegende Programm: das Sich-An-Gott-Verschenken im Sinne eines bewussten Lebens des Taufgelübdes mit dem Ja zur vollen Umgestaltung in Christus in der Gnade Gottes, um, den Spuren Christi folgend und seinem Bild gleichgestaltet, dem Willen des Vaters in allem folgsam, sich mit ganzem Herzen der Ehre Gottes und dem Dienst am Nächsten hinzugeben.
Der Weg zur Oblation
Oblate werden kann grundsätzlich jeder Christ - Frauen und Männer, Verheiratete und Ledige, Laien und Priester und Diakone - der die Verbindung mit dem geistlichen Leben der Abtei (des Priorats) intensivieren möchte. Seine Freude sollte es sein, Christus dem Herrn nach der Weisung des heiligen Benedikt in der Welt zu dienen.
Die Hinführung zur Oblation erfolgt in verschiedenen Stufen: Wer Oblate werden möchte, kann mit dem vom Abt (oder Prior) beauftragten Oblatenrektor Kontakt aufnehmen. Zur gegebenen Zeit kann mit Zustimmung des Abtes bzw. der Äbtissin (nach dessen Befragung des Konvents) mit einem Aufnahmeritus eine Probezeit, das Noviziat beginnen, das in der Regel ein Jahr dauert. In diesem Noviziatsjahr wird der Kandidat mit der Regel und den Grundzügen monastischer Spriritualität vertraut gemacht. Er soll durch Gebet, Lesung und Übung und Gespräch das kennenlernen, wozu er sich durch die Oblation verpflichten wird. Stimmt der Abt (oder Prior) - nach Rücksprache mit dem Konvent und insbesondere dem Oblatenrektor - nach Ablauf des Noviziats der Bitte des Kandidaten zu, kann die Oblation stattfinden . (Hrsg. Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten für den deutschen Sprachraum: Unter der Führung des Evangeliums. Handbuch für Benediktineroblaten. Beuron 1999, S. 17).
Geh hinaus in die Welt, sage ich,
der Acker ist nämlich die Welt,
und diese ist dir anvertraut.
Geh hinaus,
möchte ich dir sagen,
mit den Schritten deiner wachsamen Sorge
und sorgsamen Wachsamkeit.
(Bernhard von Clairveaux: Sämtliche Werke. Bd I-IX.
Hrsg.: Bernhard B. Winkler. Bd I, S. 679)
Oblate / Oblatin - eine eigene Berufung
Das Oblatesein ist eine eigene Berufung, die beiderseitig geprüft wird: wie von einem Klosterkandidaten. Es handelt sich um eine Lebensform.
Auch vom Oblaten wird erwartet, dass er bereit ist, den Geist des zisterziensischen Lebens kennen zu
lernen, um danach zu leben und an seinem Ort in der Welt Zeugnis von seinem Glauben zu geben, so weit es sein Stand und seine Lebensumstände zulassen. Er muss prüfen, ob er Freude daran hat, Christus im zisterziensischen Geiste nachzufolgen und ob er die Verpflichtungen einhalten möchte, die die Oblation mit sich bringt. Nur der Abt (oder Prior) oder die Äbtissin (oder Priorin) in Verbindung mit dem Konvent entscheidet über die Aufnahme als Oblate / Oblatin.
Christus, göttlicher Herr,
dich liebt, wer nur Kraft hat zu lieben:
unbewusst, wer dich nicht kennt;
sehnsuchtsvoll, wer um dich weiß.
(Hymnus aus der Komplet)
Oblation ist eine persönliche Antwort auf Gottes Anruf und eine feste Lebensentscheidung für diese Lebensform und darf nicht verwechselt werden mit der Aufnahme in einen Freundeskreis einer Abtei (oder eines Priorats). Die Oblation ist vielmehr eine eigene Berufung durch Gott zu einem Leben nach dem Evangelium im zisterziensischen Geiste IN DER WELT. Als solche darf sie auf keinen Fall als ein verkürztes Mönchsleben oder als Mönchtum mit weniger Verpflichtungen verstanden werden. Der Oblate will bewusst ein religiöses Leben in der Welt führen. Die Berufung zu einem solchen Leben wie die zum Mönch oder zur Nonne ist unabhängig von Alter und Geschlecht und Lebenssituation.
Immer ist in der Seele deines Armen, mein Gott, deine Liebe.
Doch sie ist verborgen wie Feuer unter der Asche, bis es deinem Geist,
der weht, wo er will (Joh 3,8), gefällt, sie in der Weise und in dem Maße,
wie er will, zum Nutzen des Menschen zu offenbaren.
(Wilhelm von Saint-Thierry: Texte der Zisterzienserväter Bd 1.
Meditative Gebete. Hrsg.: Zisterzienserinnen-Abtei Eschenbach
1993, S. 104)
Die Oblation
In einem öffentlichen kirchlichen Akt, in einer gottesdienstlichen Feier - in der Regel in Verbindung mit der Feier der heiligen Eucharistie - setzt der Oblate ein Zeichen der Hingabe an Gott. In dem dafür vorgesehenen Ritus verspricht der Oblate / die Oblatin, als Christ in der Welt im Geiste des heiligen Benedikt nach der Weisung des Evangeliums zu leben, sich selbst zu verleugnen und Christus nachzufolgen und schließt mit den Worten, die mit denen der Profess übereinstimmen:
Herr, nimm mich auf nach deinem Wort,
und ich werde leben;
und lass mich in meiner Hoffnung nicht scheitern.
Oblaten Herausforderungen mit Zukunft für die Kirche und die Welt von heute
Ich persönlich durfte schon in den Jahren seit 1980 im Rahmen meines Theologiestudiums
die zisterziensische Spiritualität durch regelmäßige längere Exerzitienzeiten in einem Zisterzienserkloster kennenlernen und fand mehr und mehr Freude daran, in der Liebe
zu Christus leben zu dürfen. Ich danke Gott dafür, dass ich schließlich die Oblation ablegen durfte.
Ich bete dafür, dass in Zukunft die Oblaten und Oblatinnen der einzelnen Klöster und der
unterschiedlichen Klöster untereinander enger zusammenwachsen, im Gebet als Quelle und Kraft und im persönlichen Austausch, damit wir Oblatinnen und Oblaten mit unserer eigenen Berufung von einander lernen mögen, wie ein zisterziensisches Leben in der Welt Frucht bringen kann.
Ich bete auch dafür, dass auch mehr junge Menschen den Wert dieser Lebensform entdecken. Gemeinschaften von Laienzisterziensern in anderen Ländern zeigen, dass Laien unterschiedlicher Altersgruppen, Berufe und Lebenssituation als Gemeinschaften im zisterziensischen Geist zusammen leben könnten , als Keimzellen christlichen Lebens und zisterziensischer Spiritualität in der Welt.
Mit der Hilfe Gottes könnten solche Gemeinschaften als „Lebenshilfegruppen“ in der Welt gerade in unserer Zeit, die gekennzeichnet ist durch Orientierungslosigkeit und zunehmende Kirchenfeindlichkeit, Familien und Alleinstehenden auch Beispiel und Halt geben und zur Einladung für Menschen werden, auf einen altbewährten Weg zurückzukehren. Die benediktinische Regel spricht Menschen unserer Zeit an, denn auch er schrieb in einer Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit (Dwight Longenecker: Listen My Son - St. Benedict for Fathers. Leominster 2000. S.XIX).
In unserer Zeit, in der die Anzahl der Mönche und Nonnen und der traditionellen Klöster abnimmt,
wächst weltweit die Zahl der Oblaten und Laienzisterzienser. Vielleicht ist das eine Herausforderung: Formen des Zusammenlebens in der Welt, die neue Möglichkeiten darstellen können, den Glauben, die Liebe zu Christus und zum Nächsten zu leben und so auch wieder mehr Berufungen zum Ordensstand - zum Mönch oder zur Nonne - Raum zu geben.
Gottes Stimme scheint ganz leise geworden zu sein in unserer lauten geschäftigen Welt Aber auch
in den Jahrhunderten vor uns hat es Zeiten gegeben, in denen Menschen nach Wegen suchen mussten,
die Gottesnähe zu spüren. Sie haben es geschafft (Corinne Ware:Saint Benedict on the Freeway.
A Rule for the 21st century. Nashville, Tennessee 2001. SS. 9, 20). Obwohl wir in einem Jahrhundert leben, in dem die Gesellschaft solche Versuche nicht zu unterstützen scheint, können auch wir Wege finden, unseren Alltag in Gottverbundenheit zu gestalten, wenn Gott uns dazu einlädt.
Zisterziensische Identität
Wie weit eine Identitätsfindung für Oblaten in Zukunft gegeben sein wird, wird von der Art der Bindung an das Kloster und der Noviziatszeit, aber auch von der Verbundenheit mit dem Zisterzienserorden abhängig sein. Was macht den Zisterzienseroblaten / die Zisterzienseroblatin aus? Wie kann die jahrhundertealte spirituelle Tradition Frucht bringen im Alltagsleben in der Welt? Wie werden die zisterziensischen Quellen vermittelt und der Geist und die Gesinnung lebendig und können ausstrahlen und Frucht bringen? Wo ist die zisterziensische Antwort für den Suchenden? Das internationale Treffen der Laienzisterzienser in Huerta im Jahr 2008 wird einen weiteren Versuch darstellen, sich der zisterzienschen Antwort auch für Laien zu nähern. Augenblicklich finden Zisterzienseroblaten Weggeleit bei den Brüdern und Schwestern von der strengen Observanz.. Christliche Grundwerte, das zisterziensische Charisma, in die Welt tragen durch die Berufung, Gott nach der zisterzienschen Spiritualität zu suchen und Christus nichts vorzuziehen ist eines der zisterziensischen Zeichen der Zeit.
Gabriele Franziska Heitfeld-Panther Zisterzienser-Säkularoblatin (Kloster Langwaden)
Wer in den vergangen Jahrhunderten nach der Regel des hl. Benedikt „in der Welt“ leben wollte, konnte es fast ausschließlich als Benediktineroblate tun. Männer und Frauen, Verheiratete und Ledige, auch Priester banden sich durch die Oblation, ein Versprechen, an ein Benediktinerkloster, um mit den Mönchen oder Nonnen deren geistliches Leben zu teilen.
Seit 1987 entstehen in Amerika Laiengruppen, die als „zisterziensische Laien“ ihr Alltagsleben im Geist der Spiritualität des Ordens von Cîteaux gestalten wollen und sich einer Trappistenabtei als assoziierte Mitglieder anschließen. Alberich Altermatt erwähnt 1998 in dem von ihm herausgegebenen Buch Zisterzienserinnen und Zisterzienser zisterziensische Laiengruppen und nennt sie „ein viel versprechendes Zeichen der Zeit“. Im gleichen Jahr schreibt Papst Johannes Paul II anlässlich des 900. Gründungsjubiläums von Cîteaux eine Botschaft an die zisterziensische Familie. Er spricht darin von der neuen Faszination die vom kulturellen und spirituellen Erbe der Zisterzienser ausgeht und fordert die Ordensmitglieder auf, sie mögen, weise und mit prophetischem Gespür, gläubige Laien teilhaben lassen an ihrer Gemeinschaft, etwa als „so genannte assoziierte Mitglieder“. Heute gibt es 48 Klöster der zisterziensischen Familie mit insgesamt ca. 900 sog. Laienzisterziensern (OCSO, 46 Klöster) bzw. Zisterzienseroblaten (OCist, 2 Klöster) in weltweit 19 verschiedenen Ländern.
Wenn in einem Artikel über die zisterziensische Oblatenbewegung (Erbe und Auftrag 82, 2006, S. 217 f.) von „Zisterzienseroblaten“ die Rede ist, so handelt es sich fast ausschließlich um „Laienzisterzienser“, die Zisterzienserklöstern der strengen Observanz angeschlossen sind. Den Zisterziensern der allgemeinen Observanz ist dagegen die Zugehörigkeit von Oblaten bisher weitgehend fremd gewesen. Zum einen haben die Zisterzienser seit den Gründervätern Kinderoblaten, wie sie die Regel des heiligen Benedikt vorsieht, entschieden abgelehnt, zum anderen gaben die Zisterzienser dem Konversensystem den Vorrang: Zahlreiche für die Klöster arbeitende Laien wohnten im Kloster oder zumindest in der Nähe. In der frühmittelalterlichen Gesellschaft, bis zum Aufblühen der Städte und Handwerkerzünfte, bedeutete ein solcher Anschluss von Laien an die Zisterzienserklöster als Konversen einen religiösen Halt, aber auch einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg.
Darüber hinaus kennt der Zisterzienserorden allgemeiner Observanz die offizielle Ernennung zum „Familiar“ des Ordens. Familiares sind einem bestimmen Kloster zugeordnet und werden auf Vorschlag der Gemeinschaft vom Generalabt ernannt. Grundlage hierfür sind die Statuten De Familiaribus Ordinis von 1953. Die Statuten sprechen von drei Personenkreisen, die Familiaren werden können: 1. Personen, die sich verdient gemacht haben oder die man ehren möchte; 2. Wohltäter des Ordens und 3. Menschen, die in der Welt nach dem Geist und den Prinzipien des Ordens zu leben wünschen. Ernennungen zum Familiaren von Angehörigen der letzten Gruppe konnten nicht ermittelt werden.
Wie die Zahl der Benediktineroblaten weltweit seit Jahrzehnten zunimmt, so klopfen heute auch an Klöstern der zisterziensischen Familie immer mehr Laien. Es gibt aber nur relativ wenige Zisterzen, die Christen „in der Welt“ die Möglichkeit eröffnen, das geistliche Leben eines Konvents zu teilen. Statuten, Versprechen und Bezeichnung sind unterschiedlich; manche Klöster sprechen von Zisterzienseroblaten, aber auch die Bezeichnung „Familiaren“ kommt vor. Einige dieser Zisterzienserklöster sind Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten“. Diese Einrichtung ist die einzige ihrer Art im deutschsprachigen Raum.
Für Zisterzienseroblaten gibt es keine Vertretung innerhalb des Ordens und keine Anbindung an den Orden wie für ernannte Familiaren oder für die evangelischen Zisterziensererben. Die Zisterzienserkonvente, die eine Anbindung von Laien ermöglichen, legen in der Regel Wert darauf, dass die Assoziierten die Geistigkeit des Ordens kennen lernen und mittragen. Es gibt aber auch Assoziierte mit Versprechen nach dem Muster der Statuten der Benediktiner ohne besonderen Verweis auf die zisterziensische Spiritualität.
Für Oblatinnen und Oblaten, Oblatenrektorinnen und -rektoren im deutschsprachigen Raum besteht die Möglichkeit des Austauschs in der „Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten“. Am ersten Weltkongress der Benediktineroblaten im September 2005 im Rom, wo ungefähr 240 der weltweit ca. 25.000 Benediktineroblaten aus 35 Ländern zusammen kamen, nahmen auch Zisterzienseroblaten teil. Mehrere Vertreter der römischen Kurie besuchten den Kongress und brachten ihre Wertschätzung für die Lebensform der Oblaten zum Ausdruck brachten. Abtprimas Notker Wolf macht immer wieder deutlich, wie wichtig Benediktineroblaten für dieVerbreitung des benediktischen Lebens und als Missionare des Alltags sind.
Über die Tradition der Mitgliedschaft in der „Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten“ hinaus kann nun ein Blick auf die im letzten Jahrzehnt entstandene Laien-Bewegung in Anlehnung an Klöster der strengen Observanz das Leben der Zisterzienseroblaten befruchten. In Clairvaux kamen im Juni des Jahres 2005 bereits zum dritten Mal über 300 Laienzisterzienser und geistliche Begleiter aus aller Welt zusammen. Das Gremium der Vertretung der Laienzisterzienser lädt alle Laienmitglieder der gesamten zisterziensischen Familie zur Zusammenarbeit und zur Stärkung ihrer Identität ein. Zwei Zisterzienserklöster haben den Kontakt zu dem genannten Gremium bereits aufgenommen. Wie weit die Teilhabe an den Früchten der monastischen Spiritualität für ein christliches Zeugnis im weltlichen Alltag auch die Zisterzienserklöster ergreifen wird, bleibt abzuwarten.
Papst Johannes Paul II. schrieb in seiner Botschaft von 1998: Solche „Öffnungen“ der Ordensgemeinschaften sind nur möglich, „soweit dies der spezifischen Identität einer Kommunität nicht schadet“. Im Vergleich zu den Klöstern der strengen Observanz haben die traditionellen Zisterzienserklöster mehr „Außenkontakt“ und „weltliche“ Aufgaben durch ihre Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen, Exerzitien- und Kursangebote ihre Tätigkeit in Pfarreien. Daher ist die „Verbindung in die Welt“ für sie über assoziierte Laien nicht von Bedeutung. Vielfach füllen die bestehenden Aufgaben die Kapazitäten sie so sehr aus, dass niemand die Aufgabe des Begleiters für externe Oblatennovizen übernehmen kann. Klar ist auch, dass nur Klöster mit einer inneren Stabilität die Kraft haben, „ihre gefüllten Brunnenschalen überfließen zu lassen“, um mit einem Bild des hl. Bernhard zu sprechen.
Damit eine Assoziation von Laien fruchtbringend für beide Seiten gelingt, müssen nicht zuletzt beide es auch wollen. Es gibt ja bereits „Zisterzienseroblaten“ oder Familiaren, die als Laien geistlichen Weg eines Klosters mitgehen. Beim letzten Generalkapitel wurde darüber gesprochen. Nach wie vor gibt es aber kaum Strukturen für diese Anbindung. Wie soll die Einführung in die zisterziensische Spiritualität aussehen? Was wird außer Kenntnissen über die Regel des hl. Benedikt hinaus vermittelt oder doch am Ende des Oblatennoviziats vorausgesetzt?
Vielleicht ist für die Zisterzienser das Beispiel der in der Assoziation von Laien erfahrenen Kommunitäten hilfreich. Die Zukunft wird zeigen, wie weit noch mehr Zisterzienserklöster an die Entwicklung rund um die Klöster der Benediktiner und die der Mitbrüder und -schwestern von der strengen Observanz anknüpfen werden. Vielleicht wird etwas von der positiven Resonanz, die der Generalabt der Zisterzienser von der strengen Observanz, Dom Bernardo Olivera, den neuen Laienbewegungen bereits im Jahre 2002 entgegenbrachte, auch auf die Kommunitäten der Zisterzienser dr allgemeinen Observanz überspringen. So heißt es in dem Schreiben des Generalabtes der Trappisten zum zweiten Treffen der Laienzisterzienser im Jahre 2002 unter anderem: „Denken wir nicht, das innige Einswerden mit Christus sei nur für einige wenige Privilegierte bestimmt. Der Heilige Vater lädt alle Christen zu dieser Vereinigung mit Christus ein.“ Der Generalabt zitiert auch aus der 83. Predigt über das Hohe Lied des hli. Bernhard: „Jede Seele kann ... zum Wort zurückkehren...mag sie von Sünden belastet, in Laster verstrickt, von Verlockungen erfasst, in der Verbannung gefangen, in Leib eingekerkert, am Schmutz kleben, am Erdboden haften ...mag sie...noch so verdammt und verzweifelt sein, trotzdem ... die Seele kann in sich selbst etwas feststellen, das sie nicht nur in der Hoffnung auf Verzeihung und Erbarmen aufatmen lässt, sondern ihr sogar den Mut gibt, sich nach der Hochzeit mit dem Wort zu sehnen, ihr die Angst nimmt, mit Gott einen Bund der Gemeinschaft zu schließen, ihr die Scheu nimmt, mit dem König der Engel unter das süße Joch (Mt 11,30) der Liebe zu treten...“ (SC 83,1).
Alle bisherigen Treffen und Beratungen rund um die Laienbewegungen in Anlehnung an Gemeinschaften, die nach der Regel des heiligen Benedikt leben, gleich ob Benediktiner oder Zisterzienser beider Observanzen, haben gezeigt, wie viel Kraft und Vitalität in der Lebensformen des Oblaten und des Laienzisterziensers liegen kann.
Dies wird besonders deutlich im außerdeutschen Raum. In anderen Ländern entwickeln Oblaten und Laienzisterzienser missionarisches Potential. Es greift teils weit über die Aufgaben des Alltags hinaus und geschieht zum großen Teil öffentlich, sei es durch ehrenamtliche Mitarbeit in Klöstern oder Bildungseinrichtungen und Schulen, in der Politik, als Autoren und Referenten sowie als geistliche Begleiter, Seminar- und Exerzitienleiter. Diese Kraft, mit der benediktinische und zisterziensische Laien wirken, erwacht auch zunehmend in Europa: Ihr Ursprung ist die Sehnsucht danach, die Einheit in Christus zu erfahren und die Liebe und das wahre Leben weiterzuschenken. Abtprimas Notker Wolf wünschte sich die Wirkung der Benediktineroblaten wie Strahlen der Klöster, die in die Welt hinausreichen und durch ihre Spiritualität Christus weiter tragen. Wünschen wir uns diese Gnade für immer mehr Klöster.
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